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Grup Dogus: Grup Dogus (Review)

Artist:

Grup Dogus

Grup Dogus: Grup Dogus
Album:

Grup Dogus

Medium: LP
Stil:

Traditionell-, Progressive- und Psychedelic-Rock und Pop

Label: Ironhand Records
Spieldauer: 38:08
Erschienen: 26.08.2019
Website: [Link]

Vielleicht sollte man doch, bevor man sich diesem hochinteressanten Album mit türkischem, psychedelisch angehauchtem, aber immer traditionsverbundenem Progressive Rock der Mitt-Siebzieger-Jahre widmet, kurz ein paar Worte zu dem in Deutschland ansässigen Label IRONHAND RECORDS verlieren. Denn die haben sich auf ihre musikalischen Fahnen geschrieben, uns die nostalgisch-traditionelle Musikkultur ihres Landes, besonders deren progressive und psychedelische Seite, von der man in unseren Breiten ja bisher kaum etwas erfahren hat, näher zu bringen. Dabei graben sie mit ihrem großen Fachverstand Entdeckungen aus, die wir selber sicher so niemals machen würden/könnten, womit wir auch schon bei GRUP DOGUS und ihrem gleichnamigen Album aus dem Jahr 1975 wären.

Bei dem Album „Grup Dogus”, das es jetzt endlich und zum ersten Mal auf Vinyl zu erstehen gibt, handelt es sich ursprünglich um eine Kassetten-Aufnahme, die durch einen großen Zufall zustande kam.

Die GRUP DOGUS setzte sich aus vier musikalischen Gastarbeitern zusammen, die in München lebten und sporadisch mit großteils traditioneller türkischer Musik in Musik- und Nacht-Clubs spielten.
Nach einem ihrer Nachtclub-Auftritte in München erhielten sie das Angebot, ihre Musik, die hauptsächlich aus Cover-Versionen von türkischen Größen, wie Baris Manco, Cem Karaca, Üc Hürel sowie feine Arrangements türkischer Volkslieder bestand, für eine Kassette aufzunehmen.
Da das Angebot im Jahr 1975 natürlich sehr verlockend klang und die GRUP DOGUS – ins Deutsche übersetzt bedeutet der „hundelose“ Bandname etwa „Aufgehen und/oder Auferstehen“ – ihre Musik so endlich auf einen Tonträger pressen könnte, der aus heutiger Sicht natürlich völlig überholt ist. Also setzten die Vier das Angebot in die musikalische Tat um.

Fast 45 Jahre später darf diese interessante Band, welche nebenher eine ganz eigenständige progressive türkische Prog-Musik spielt, die viel Weltmusikalisches in sich trägt und beispielsweise auf „Gülme Ha Gülme“ ein wenig Richtung SANTANA schielt, aber ganz besonders von ausgiebigen Hammond- und Rhodes-Passagen sowie Gitarren-Soli begleitet wird und einem für unsere Ohren vielleicht etwas seltsam anmutenden Gesang besteht, diese limitierte LP veröffentlichen. Und dass neben den traditionellen türkischen Einflüssen natürlich auch internationale Größen, wie ELP oder DAVID GILMOUR, ihre Duftmarken bei dem türkischen Gastarbeiter-Quartett hinterlassen, ist nicht zu verleugnen.

Einige Songs aber tragen auch das Nachtclub- und Unterhaltungsflair in sich, leben von eingängigen, durchaus tanzbaren Melodien und nehmen sich ganz bestimmt nicht so wichtig, wie es viele Prog-Anbeter immer wieder für sich und „ihre Musik“ beanspruchen. Auch werden niemals die türkischen Einflüsse verleugnet. Die vier Jungs haben tatsächlich auch Freude und Spaß sowie heimatlichen Stolz an ihrer Musik auf „Grup Dogus“. Das ist unüberhörbar. Genauso wie die schwer beeindruckenden Instrumental-Ausflüge an den Keyboards und Gitarren.

Konkret wurden aus der Kassette, die als „Anatolien Pop“ eingestuft worden war, die progressivsten acht Stücke ausgewählt und sehr gut sowie mit typischen 70er-Jahre-Stereo-Effekten versehen gemastert und auf Vinyl veröffentlicht.

Weiterhin wurde der LP ein LP-großes, doppelseitig bedrucktes Begleitblatt beigefügt, das auf der einen Seite in türkischer und der anderen Seite in englischer Sprache sehr umfangreich die Geschichte der Band beschreibt und mit 12 Schwarz-Weiß-Fotos illustriert. Nicht nur die Musiker stecken viel Liebe in ihre Musik, sondern auch die Macher von Ironhand Records.

FAZIT: Ja, auch in der Türkei gab‘s Mitte der 70er-Jahre (versteckten, die Traditionen wahrenden) Progressive Rock, auch wenn der in Deutschland, eingespielt von vier türkischen Gastarbeitern, entstand. Die Band GRUP DOGUS veröffentlichte im Jahr 1975 eine Musikkassette mit ihren Stücken, die nur so vor Hammond-Orgeln und Rhodes sowie Gitarren-Soli strotzten, aber trotz der professionellen Spielweise nicht die Aufmerksamkeit erlangte, die sie verdient hätte. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass dieses Album bisher nur als Kassette erschien. Endlich, 45 Jahre später, ist diese Zeit vorbei und „Grup Dogus“ erscheint dank Ironhand Records, einem Label, das sich besonders progressiv-psychedelischer Musik mit türkischen Wurzeln annimmt, speziell für Vinyl gemastert als beeindruckende LP.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 459x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (19:00):
  • Adaletin Bu Mu Dünya?
  • Gülme Ha Gülme
  • Aglarsa Anam Aglar
  • Modern Oyun Havasi
  • Seite B (19:08):
  • Intizar
  • Ölüm Allah‘in Emri
  • Namus Belasi
  • Karadeniz Derlemesi

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