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Beltez: A Grey Chill And A Whisper (Review)

Artist:

Beltez

Beltez: A Grey Chill And A Whisper
Album:

A Grey Chill And A Whisper

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Black Metal

Label: Avantgarde Music
Spieldauer: 65:09
Erschienen: 30.10.2020
Website: [Link]

Musik, Literatur, Kunst können die Vorstellungskraft auf eine Weise beflügeln, die das Hier und Jetzt vergessen und Dich unversehens in eine andere Welt eintauchen lässt. Dass eine solche Weltflucht in dunklen Zeiten Hoffnung geben und sogar eine überlebenswichtige Kraft verleihen kann, wird zum Beispiel in einigen Schriften von Viktor Frankl deutlich. Um den Zusammenhalt und das Überleben in dunklen Zeiten geht es auch in der dem vierten BELTEZ-Album zugrunde liegenden Geschichte, welche die Kölner Autorin Ulrike Serowy für die Band zu Papier brachte. Das Quintett ringt der Erzählung innerhalb monolithisch sich auftürmender Klangmauern und in über einer Stunde eindringlich beklemmende Facetten ab, welche die Musik dem herkömmlichen Melodic Black Metal entheben. Dennoch klingt sie bei aller Vehemenz stets eingängig.

Jene Eingängigkeit ist zweifelsohne das Ass im Ärmel der Rheinländer, die auf "A Grey Chill And A Whisper" von der ersten bis zur letzten Sekunde eine hörbar klare Vorstellung haben, wohin die Reise gehen soll (die meiste Zeit in finstere Abgründe, und zwar ziemlich unerbittlich), und auf beliebige Spielereien verzichten.
Diese Geradlinigkeit eröffnet in den mitunter langen Kompositionen immer wieder Raum für epische Momente, für atmosphärische Einleitungen und Übergänge ohnehin. Im Grunde machen BELTEZ wenig anderes als Tiamat bereits auf dem ursprünglich "In A Dream" betitelten "Clouds"-Album, nur dass sie sich im Gegensatz zu den Schweden sowohl auf die Einflüsse ausgesuchter norwegischer Pioniere wie auch der amerikanischen Thron-Anwärter stützen können, ergo noch hypnotischer zu Werke gehen.
Live haben zwei der neuen Lieder bereits wiederholt begeistert. Die Herausforderung, bei den Aufnahmen nicht zu viel von der auf Konzerten entfachten Wucht einzubüßen, hat die Musiker offenbar motiviert, sich ähnlich wie auf der Bühne mit Haut und Haaren in die Songs hineinzuwerfen, um auch im Studio diese mächtige Wall of Sound zu erschaffen. Allen voran Schreihals Marc, der nahezu unablässig seine Stimmbänder malträtiert, als gäbe es keinen Morgen mehr - was wiederum, ohne der Geschichte vorzugreifen, absolut passt. Hinter ihm eine Band, welche die Unausweichlichkeit über weite Strecken so stoisch wie massiv vertont, nur dann und wann den Gitarristen die Möglichkeit einräumt, mit dämmrigen Klängen die Ahnung heraufziehenden Unheils noch weiter zu verdichten. Hört Euch die Einleitungen von "The Unwedded Widow" oder dem 14-minütigen "I May Be Damned But At Least I Have Found You" an, und Ihr wisst, warum mir Tiamat (zu Zeiten von "Astral Sleep" und "Clouds") in den Sinn kommt.

Für ein solch intensives Konzeptalbum ist das Cover-Artwork vielleicht noch wichtiger als bei einem "herkömmlichen" Album, und die von Benjamin Harff in Grautönen illustrierte Architektur des Schreckens ist schlichtweg grandios geraten.
"For bright daylight would never come..." Ulrike Serowys Erzählung "Black Banners" wurde von Dan Capp (Wolcensmen) für das dem Album beiliegende Hörbuch eingelesen, und wer dem Engländer eine Weile lauscht, der mag zustimmen, dass er die perfekte Wahl für diese Lektüre war. Unterlegt wird selbige durch unaufdringliche, düstere Ambient-Klänge. Vor knapp sieben Jahren sprach sich Mat McNerney am Rande eines Hexvessel-Konzerts dafür aus, Literatur und Kunst an solchen Abenden mehr Raum zu geben. "A Grey Chill And A Whisper" unterstreicht dieses Plädoyer auf allen Ebenen mit mehr als überzeugender Geste.

FAZIT: Mit ihrem Musik-und-Hörbuch-Album haben BELTEZ der Geschichte des Black Metal ein atmosphärisch dichtes Kapitel hinzugefügt, das mit vereinnahmender Musik Hoffnung in schwärzester Stunde vermittelt - und somit bei aller Griffigkeit doch auch herausfordert.

(Auf eine Wertung mit Punkten verzichten wir an dieser Stelle aufgrund freundschaftlicher Bande.)

Thor Joakimsson (Info) (Review 850x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • In Apathy And In Slumber
  • The City Lies In Utter Silence
  • Black Banners
  • A Taste Of Utter Extinction
  • The Unwedded Widow
  • From Sorrow Into Darkness
  • A Grey Chill And A Whisper
  • I May Be Damned But At Least I’ve Found You
  • We Remember To Remember
  • Bonus:
  • Black Banners (Audio Book)

Besetzung:

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