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Gabriella Cilmi: Pure Love (Review)

Artist:

Gabriella Cilmi

Gabriella Cilmi: Pure Love
Album:

Pure Love

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Soul-Pop, Blues, Gospel

Label: V2 Records
Spieldauer: 35:00
Erschienen: 09.10.2026
Website: [Link]

Fast 20 Jahre ist es her, dass die australische Songwriterin GABRIELLA CILMI mit dem Hit-Song „Sweet About Me“ von ihrem ersten Album „Lessons To Be Learned“ aus dem musikalischen Ei schlüpfte und – aufgrund dieses Songs – über Nacht zum international gefeierten Pop-Star wurde. Die Sache hatte nur einen Haken: GABRIELLA CILMI verfügt über eine rauchige, bluesige Contra-Altstimme, die sich zwar hervorragend für Genres wie Blues oder Soul eignet, allerdings nicht so gut für leichtfüßig umherflatternde Pop-Musik. Der wirklich brillante Song „Sweet About Me“ war dann auch eine Hypothek, die sie nicht wirklich einlösen konnte, denn es gelang nie, den Erfolg dieses Songs zu toppen.


Da Cilmi allerdings bei einem Major-Label unter Vertrag war, wurden ihre weitergehenden Bemühungen ganz darauf ausgerichtet, ihren Anfangserfolg zu wiederholen. Das zweite Album „Ten“ brachte sie in die Position, mit einer Riege hochkarätiger, gut bezahlter Produzenten ein neues Image etablieren zu müssen, indem alle möglichen Pop-Spielarten, Funk, Disco und New Wave ausprobiert wurden und die Blues- und Soul-Aspekte eher in den Hintergrund gedrängt wurden. Die LP zeitigte dann auch nur noch in Australien Achtungserfolge. Auf dem dritten Album „Ten“ versuchte Cilmi wiederum die eigenen Vorstellungen erneut stärker ins Spiel zu bringen. Während dieses Album einige Ansätze erkennen ließ, welche in die richtige Richtung wiesen, war es doch weitestgehend erfolglos, so dass die Sängerin entschloss, sich erst mal aus dem Business zurückzuziehen.


Nun liegt – 13 Jahre nach der letzten Veröffentlichung – das vierte Album von GABRIELLA CILMI vor – und es ist nun endlich die Scheibe geworden, welche sie wohl schon immer hatte mache wollen, worauf bereits die Produktion verweist. Zusammen mit Produzent PETER MILES fanden sich die Musiker in der Middle Farm im ländlichen Devon ein, wo die Songs live im Studio eingespielt wurden. Inhaltlich schrieb sich GABRIELLA CILMI den lange angestauten Frust von der Seele, indem sie in ihren neuen Songs besonders die 'gescheiterten ersten Anläufe' thematisiert.


Diese Vorgehensweise hinterließ interessante Folgen: Obwohl es auf dem Longplayer wieder attraktive Pop-Nummern gibt – wie zum Beispiel den als Retro-Soul-Stomper angelegten Opener „Pure Love“ oder die Single-Nummer „YRU Hanging Around“, die über jede Menge Tanzhaus-Drive verfügt – käme kaum jemand auf die Idee, dieses sehr gute Album zunächst und vor allem als Pop-Scheibe zu betrachten. Dafür ist die Sache viel zu erdig, rau und ungeschliffen. Denn frei nach dem Prinzip: „Wenn es um Musik geht, ist Perfektion nicht gut genug“, wurde hier mit allerlei Haken, Ösen, Glitches und Warzen gearbeitet. Und zwar sowohl was die Produktion wie auch die Performance und insbesondere GABRIELLA CILMIS brüchigen Gesang betrifft - der ganz hervorragend zu den eher bluesigen Tracks und der am Rande der Übersteuerung dahinlavierenden Retro-Produktion passt.

Wer hier an AMY WINEHOUSE denkt, der liegt nicht sonderlich falsch – obwohl „Pure Love“ roher und schmutziger daherkommt als etwa „Back To Black“. Dafür kommen im Gesang dann jede Menge Frust und Systemkritik zum Vorschein. Es scheint, dass sich bei GABRIELLA CILMI im Laufe der letzten 13 Jahre so einiges angestaut hat. Und wenn hier zuvor von einer brüchigen Stimme die Rede war, bedeutet dies nur, dass GABRIELLA CILMI die ganze Erfahrung, die sie sich als Künstlerin und Mensch angeeignet hat, ungefiltert an den Hörer heranträgt.

Hier singt längst kein junges Mädchen mehr, sondern eine gestandene Frau, die ohne Umschweife auf den Punkt kommt. Übrigens: Einen gewissen Eindruck davon, wie es wohl im Studio zuging, vermitteln die tollen Live-Videos, welche das Album anstelle konventioneller Hochglanz-Filmchen begleiten.


Unterstützt wird GABRIELLA CILMI von einer hochkarätigen Riege ausgeschlafener Session-Musiker, die sich ansonsten bei der Crème der aktuellen Superstar-Szene verdingen (beispielsweise bei LEWIS CAPALDI, ED SHEERAN, LANA DEL REY oder MXMTOON). Trotzdem besitzt „Pure Love“ seinen ganz eigenen Klang, der aufgrund der ungeschliffenen Herangehensweise recht „despektierlich“ (so nannte das ROBERT PLANT ein mal bei einer seiner eigenen Scheiben) ist. Gerade aber die gesangliche Inbrunst und die erkennbare Spielfreude aller Beteiligten lassen das Werk lebendig und kraftvoll erscheinen.


Wie gesagt ist die inhaltliche Ausrichtung ganz auf die Thematik ausgerichtet, dass sich GABRIELLA CILMI in ihrem ersten Leben als 'Popstar' nicht so recht wohlgefühlt hatte. Das macht sie dann aber nicht mit dem Holzhammer deutlich, sondern anhand phantasievoller Metaphern – mal in Form eines verkappten Liebesliedes wie „Pure Love“, bei dem es eigentlich um einen kreativen Reset geht, mal mit der schwülstigen Empowerment-Ballade „No To A King“ in der sie schildert, dass sie erst lernen musste, auch mal „Nein!“ zu sagen. (Der Song hat also nichts mit Trump zu tun) „Killed Our Song“ sticht dadurch hervor, dass es zwar einerseits um eine Beziehungskiste geht, aber andererseits auch auf die Erfahrungen der Musikerin mit dem Musikbusiness verweisen könnte.

Ohne Frage ist GABRIELLA CILMI heute kein „Puppet On The String“ mehr (wie sie es in „No To A King“ beschreibt), sondern eine selbstbestimmte Künstlerin, die mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen scheint.


FAZIT: Mit „Pure Love“ gelingt der australischen Songwriterin GABRIELLA CILMI ein wirklich gelungenes Comeback. Nicht nur in Bezug darauf, dass ihr hier auf der musikalischen Seite echte potentielle Hits gelingen, sondern auch weil ihr mit diesem Album ein kraftvolles, inspirierendes Stück Selbstverwirklichung (und Empowerment) gelungen ist. Hier präsentiert sich jemand, der nun befreit von den Zwängen des Business endlich aus den richtigen Gründen Musik machen kann und darin erkennbar aufblüht. Pop-Musik ist das längst nicht mehr – aber das sollte „Pure Love“ ja offensichtlich nie sein.

Ullrich Maurer (Info) (Review 158x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Pure Love
  • No To A King
  • YRU Hanging Around
  • Pieces
  • Too Far Gone
  • No Apologies
  • You Killed Our Song
  • Not Enough To Keep Me Down
  • What Do We Do
  • Love Me Like It’s The End Of The World

Besetzung:

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