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VLMV: There Will Come Soft Rains (Review)

Artist:

VLMV

VLMV: There Will Come Soft Rains
Album:

There Will Come Soft Rains

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Melancholischer Artpop, Dreampop, Post Rock, Ambient

Label: Pelagic Records
Spieldauer: 41:48
Erschienen: 24.04.2026
Website: [Link]

„Sobald ich das Konzept hatte, wollte ich sicherstellen, dass die Technologie mit traditionellen Instrumenten (zu verschiedenen Zeiten) in einer Art langsamen Tanz aufeinanderprallt und sich vermählt. Das eine ist die Natur, das andere die menschliche Entwicklung und die Technologie. Manchmal arbeiten sie zusammen und manchmal gegensätzlich. Ich würde sagen, dass auf meinen früheren Alben mindestens die Hälfte der Stücke als Songs begonnen hat, während ich denke, dass die meisten (wenn nicht alle) bei 'There Will Come Soft Rains' als Klangexperimente begonnen haben.“ (Pete Lambrou zu „There Will Come Soft Rains“)

Wenn die Welt – angekündigt durch einen sanften Regen, der zärtlich die Haut der Menschheit streichelt – untergehen sollte, dann wäre es eine dicke Empfehlung, währenddessen „There Will Come Soft Rains“ von VLMV zu hören. Ein bedrückendes wie faszinierendes und atmosphärisches, stellenweise gar hypnotisches Musikerlebnis, welches einen zwar voller Trauer, aber auch in beruhigender Entspannung das Unwiderrufliche ertragen lässt.


Andere würden in solchen Momenten wohl zu ihren SIGUR RÓS-Platten oder ÓLAFUR ARNALDS- und RADIOHEAD-Alben greifen oder mit Tränen in den Augen samt ULTRAVOX in den atomaren Untergang tanzen. VLMV, das mit Geigern und Cellisten verstärkte Ein-Mann-Projekt von Pete Lambrou, ist auf jeden Fall eine gleichwertige Alternative für besagte Bands. Hervorzuheben hierbei die unfassbar charismatische Lambrou-Stimme, die sofort hängen bleibt und einen nicht mehr loslässt. Sie zieht einen langsam tiefer und tiefer in einen Strudel hinab, bis man merkt, dass man diesem nicht mehr entkommen kann – es dunkler und dunkler wird...

Der britische Multiinstrumentalist hinter VLMV schafft sein völlig eigenständiges Klanguniversum, welches er selber mit den Worten 'ambient-ish post-something' beschreibt. Das bringt's auf den Punkt, obwohl bei dieser Charakterisierung unbedingt noch die 'heavenly vocals' mit dazugehören sollten.


Schon der Hintergrund zum gewählten Album-Titel vermittelt die bedrückende Spannung dahinter. „There Will Come Soft Rains“ bezieht sich auf ein Gedicht von Sara Teasdale (1884 - 1933) aus dem Jahr 1918. Die US-amerikanische Lyrikerin war besonders für ihre romantischen Gedichte bekannt, deren vorrangige Themen die Liebe, die Natur und der Tod waren. Mit nur 49 Jahren beendete sie ihr Leben mit einer Überdosis Schlaftabletten, nachdem sich schon Jahre zuvor ihre wahre unerfüllte Liebe, ebenfalls ein Autor, seinem Leben ein Ende gesetzt hatte.
Zudem greift VLMV noch auf eine Kurzgeschichte von Ray Bradbury (1920 - 2012) zurück, in der er sich wie Teasdale eine Welt vorstellt, die nach dem Verschwinden der Menschheit in aller Ruhe weiterlebt.
Mit diesem Hintergrundwissen sollte jedem Romantiker in und von uns wohl klar sein, wohin das atmosphärisch so bedrückende wie faszinierende Album tendiert.


Wem das noch nicht reicht, der darf gerne die – stellenweise kryptischen – Ausführungen des Musikers zu seinem Album und dem gewählten Thema lesen: „Die anfänglichen Ideen entspringen meist dem Chaos, dem Zufall oder der Klangexploration und werden dann nach und nach geformt. Das ist typisch für mich, und ganz sicher für dieses Album. Es hat sich seit Album 1 weiterentwickelt, das mehr auf Songs und Akkorden basierte. Es ist ein lustiger Prozess, einen Sound zu finden und dann herauszufinden, ob er zu mir spricht - oder einfach nur ein cooles Geräusch ist. Das macht Spaß, aber manchmal kann er sich nicht weiterentwickeln, und dann beginnt die lange Reise, ihn in eine Art von Songformat zu bringen - das muss nicht a-typisch sein, sondern das, was sich für mich richtig anfühlt. Das Thema und das Gesamtthema sind auch wichtig - es muss alles in sich selbst einen Sinn ergeben. Es hat keinen Sinn, ein schleichendes Thema zu haben und dann die Musik zu überstürzen.“


Organisches und Künstliches vereinen sich in den Klangwelten dieses Albums. Electronics und Klassik, Naturklang mit klassischen Streicher-Arrangements treffen auf schwebende Synthesizer und elektronische Soundspielereien über denen die klare, hohe Stimme – die einen oftmals an Ober-RADIOHEAD Thom Yorke zu 'Kid A'-Zeiten („The Pilot“) erinnert – von Pete Lambrou thront. Oh ja, der Mann ist der König atmosphärischer Stimmakrobatik, die einen mit jedem Ton bewegt, ganz ähnlich wie ein Yorke oder Birgisson von SIGUR RÓS.

Wunderschöne wie bedrohliche Harmonien durchziehen das gesamte Album, das, wenn man nicht genau hinhört, vielleicht ein wenig zu ruhig wirkt. Doch genau dieses 'Nebenbeihören' ist der größte Fehler im Umgang mit „There Will Come Soft Rains“. Der Hörer sollte – nein muss – sich unbedingt Zeit für das Album nehmen. Am besten unter Kopfhörern in einem verdunkelten Raum. Noch dazu die Augen schließen und sich von diesen klanggewaltigen Soundstrukturen davontragen lassen. All die Zerbrechlichkeit wie die unbändigen Kraft spüren. Der Genuss ist in diesem Moment vorprogrammiert – eine Yoga- wie wilde Achterbahnfahrt für die Seele und der Aktivierungsschalter für die versteckten Abgründe des Unterbewusstseins.
Ein Album, das so laut atmet, dass es dem Hörer regelrecht die Luft nimmt, die er anhält, wenn er mit dem intensiven Hören beginnt und einen immer wieder ganz überraschend ausgiebige Streicher-Passagen davonschweben lassen („I Am An Officer“).


Oder um es erneut mit den Worten des britischen Klangmaestros auszudrücken: „Trotz des schweren Themas wollte ich ein Album schaffen, das Hoffnung und Optimismus vermittelt, indem es traditionelle Instrumentierung als Nostalgie mit technologischer Innovation durch die Zufälligkeit modularer Synthesizer verbindet.“
Genau diese von Lambrou verfolgte Absicht gelingt ihm zu 100%.
Eine unfassbare Leistung!

Selbst der Sound des Albums ist bestechend, wofür es einen guten Grund gibt und wozu Lambrou ebenfalls Auskunft gibt: „Das Album ist insofern etwas ungewöhnlich, als es in Dolby Atmos abgemischt wurde, bevor es auf Stereo heruntergemischt wurde. Die meisten, wenn nicht sogar alle, machen es andersherum. Das liegt daran, dass ich mit einem hervorragenden Mischtechniker arbeiten konnte, der zufällig gegenüber wohnt. Es war ein großer Zufall und Glücksfall, in ein kleines Dorf im Süden Englands zu ziehen und dort ein Dolby-Atmos-Studio mit einem genialen Tontechniker zu haben. Wir hatten vor, es so zu machen und den Mixprozess zu genießen und allem seinen eigenen Raum zu geben - es gab zwar immer noch Probleme, wenn man es auf Stereo herunterklappt, aber insgesamt war es ein angenehmerer Mix!“


FAZIT: Wenn sich eine finstere Weltuntergangsstimmung durch ein ganzes Album zieht, dann denkt man wohl als erstes an SIGUR RÓS und als zweites an RADIOHEAD (oder umgekehrt). Diesen Gedanken sollte man nach dem Hören des gleichermaßen sehnsuchtsvollen wie dystopischen „There Will Come Soft Rains“ zwar nicht fallen lassen, aber gleichberechtigt an dessen Seite das Musik-Projekt des Briten Pete Lambrou unter dem Namen VLMV (Bitte als 'Alma' aussprechen!) stellen. Von der ersten bis zur letzten Minute nimmt einen „There Will Come Soft Rains“ mit seinen traurigen Stimmungen, den schwebenden Synthie-, aber auch klassischen Piano-Momenten und den herrlichen Streichern gefangen, während der charismatische, schlicht wundervolle Lambrou-Gesang über allem schwebt. Für alle Melancholiker genauso geeignet wie für die Musikgenießer, welche sich gerne in den Welten von Klassik bis Ambient sowie Art- und Dreampop bewegen. Eine der Entdeckungen des Jahres!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 44x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Tribal (A Heart Self Taught)
  • We Are All Explorers Now
  • The Pilot
  • Bodies Grown Pt. 1
  • In Absentia
  • I Am An Officer
  • Philistine! (Reclaim The Sky!)
  • Bodies Grown Pt. 2
  • Somnolence In Reverse

Besetzung:

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