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King Crimson: Lizard (1970) – The Elemental Mixes (Review)

Artist:

King Crimson

King Crimson: Lizard (1970) – The Elemental Mixes
Album:

Lizard (1970) – The Elemental Mixes

Medium: LP
Stil:

Progressive Rock

Label: Panegyric Recordings/Galileo Music
Spieldauer: 42:56
Erschienen: 24.10.2025
Website: [Link]

„Wenn Sie also ein King-Crimson-Fan sind, der wie ich 'Lizard' nie ganz ins Herz geschlossen hat, dann sind diese Mixe ein Muss. Und hoffentlich sind sie für diejenigen, die das Album bereits lieben, ebenso faszinierend.“ (David Singleton)

KING CRIMSON-Freunde wissen diese „The Elemental Mixes“ sicher schon längst zu schätzen. Zumindest wenn sie sich auf alles stürzen, was sich rund um den großen KC-Maestro ROBERT FRIPP dreht. In diesem Falle sind es die speziellen Editionen aus dem jeweiligen KC-Album-Geburtstag zum Halbjahrhundertigen oder gar darüber hinaus Dolby-Abmischungen, die übrigens inklusive der Original-LP im Vorfeld dieser Review vom Kritiker mit immer größerem Genuss durchgehört wurden.

Doch was er dann von diesem 200 Gramm schweren Vinyl unter dem Titel „Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ zu hören bekommt, ist schlicht unfassbar. Singleton, der sich für die Produktion und Mixe von den Masterbändern verantwortlich zeichnet, hat mit jedem hier zitierten Wort recht! Noch nie war so offensichtlich aus dem 3. Album von KING CRIMSON herauszuhören, wie intensiv Jazz, Klassik, Prog sowie Kammermusik miteinander vereint werden können, womit Fripp zum ersten Mal auch die Anhänger von Jazz und Klassik mit auf die unendlich faszinierende Reise des KING CRIMSON-Universums mitnimmt. Ein Teil, der leider schnell wieder beendet wird, beispielsweise mit dem Sänger GORDON HASKELL, der als absolute Bereicherung der Band angesehen werden sollte – obwohl er viel zu oft aus heutiger Sicht vergessen wird. Und auch dass der YES-Sangesguru JON ANDERSON auf der LP-B-Seite seine vokalen Höhenflüge anstimmt ist sicher für alle YES-Freunde unbedingt beachtlich, von denen so einige definitiv wegen des Kult-Sängers sich gerade diesem wohl mit ungewöhnlichsten (und für viele sogar besten) Album von KING CRIMSON näherten.


Nun also ist ein anfangs von Fripp nicht sonderlich favoritisiertes Album im Rahmen der KING CRIMSON-Diskographie mit besonderen – in diesem Falle tatsächlich elementaren – Mixen dran: „Lizard“ aus dem Ursprungsjahr 1970, das für jeden rechenaffinen Chronologen die magische Zahl von sage und schreibe 55 Jahren aufweist. Ein Album, das aus heutiger Sicht ebenso gut gereift ist wie besagter Whiskey, der mit jedem Jahr wertiger wird. Neuer Wein in alten Schläuchen sind die „The Elemental Mixes“ definitiv nicht. Sie werfen im Grunde eine Menge von dem, was bereits vorhanden und bekannt ist, über den Haufen und setzen diesem eine klangtechnische Krone auf, die voller Stereo-Edelsteine sowie Höhen-Diamanten und Tiefen-Perlen bestückt ist.

Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ präsentiert völlig neue, speziell für schweres 200g-Vinyl erstellte Mixe von Album-Klassikern aus dem Hause KING CRIMSON, in dem in diesem Falle David Singleton das soundtechnische Hausrecht innehat, um auf „Lizard (1970)“ einen völlig neuen klangtechnischen Blick zu werfen. „Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ erscheint auf 200-Gramm-Vinyl und offenbart ein abweichendes Erlebnis von den früheren 50th-Anniversary-Remixen eines STEVEN WILSON und konzentriert sich, wie Singleton betont, darauf, „unter die Haube“ der Originalaufnahme zu schauen.


Wer's noch konkreter will – bittesehr, die Originalaussage von Mr. Singleton: „Als ich an den Elemental-Mixes arbeitete, beschrieb ich sie scherzhaft als 'Lizard für diejenigen, die Lizard nicht mögen'. Sie waren eine echte Offenbarung. 'Lizard' ist das einzige Album, das mich in seiner ursprünglichen Form nie ganz überzeugt hat. Und doch offenbarten diese Elemental-Mixes, die einen Blick unter die Haube des Albums ermöglichten, etwas Neues, Wunderbares und Erstaunliches.“

Genau unter dieser Haube gibt es auf „Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ dann doch jede Menge Neues zu entdecken. Man sollte sich also als alter oder neuer Fan von KING CRIMSON viel Zeit zum Hören nehmen.


Vielleicht vorher sogar das ursprüngliche Original noch einmal genießen, um dann den soundtechnischen neuen Genuss von „Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ zu erleben. Es lohnt sich tatsächlich – und die Singleton-Aussagen können mit gutem Gewissen auch vom Kritiker unterschrieben werden. Selbst wenn nach „In The Court Of The Crimson King“ und „In The Wake Of Poseidon“ das „Lizard“-Album etwas stiefmütterlich daherkam, weil es mit gänzlich neuer Besetzung und noch stärkerem Hang zu etwas zusammenhanglosen Musik-Experimenten sowie sehr (frei) jazzenden Klängen sowie dem neuen Sänger Gordon Haskell die bereits gewohnten KC-Markenzeichen neu definiert wurden, ist dessen Reiz bis heute unüberhörbar. Eigenartige, recht abgefahrene und schwer verständliche Texte treffen auf ebenso zu definierende Musik, die weniger Prog und mehr Kammermusik sowie Jazz ist. Trotzdem lässt einen die Gitarre von Mr. Fripp immer wieder genau hinhören und beschert die typischen Momente, die man von den ersten beiden Alben kannte.

Mit „Lady Of The Dancing Water“ zieht am Ende der LP-A-Seite eine Art romantische Harmonie in das Album ein (bei dem der romantische Gesang zwischen beiden Boxen hin- und herwandelt), die aber trotzdem immer wieder durch schräge Takte verfremdet wird, so als würde die besagte Dame nicht wie Jesus übers Wasser wandeln, sondern auch so einige unerwartete Untiefen, die lebensgefährlich werden, überstehen. Zu diesem Song wie die Lady zu tanzen ist schwierig – sich dazu verträumt schweben zu lassen – gerade wenn die zärtliche Flöte und die Akustikgitarre einsetzen – deutlich leichter.


Danach haut einen dann das die ganze LP-B-Seite umfassende, 23 Minuten lange, extrem komplexe, epische Titel-Stück regelrecht vom Hocker. Doch auch hier wurde darauf geachtet, dass die einzelnen Teile des Stückes deutlich erkennbar voneinander abgegrenzt werden, was die Unterschiedlichkeit mehr als deutlich betont – und noch etwas reizvoller als auf dem Original macht.
Hier ist progressives und jazziges Chaos genauso angesagt wie wunderbare klassische Harmonien (vom Ravel-Bolero bis zur Wiener Klassik) und Gesang, bei dem sogar das singende YES-Oberhaupt JON ANDERSON bei „Prince Rupert Awake“ mit ans Mikro darf, während dann Ravels Bolero-Rhythmen, eingekleidet in ein Jazz-Gerüst aus Bläsern, Mellotron und Piano, übernehmen. Doch gerade auch Haskells Stimme sowie Saxophon und Oboe hinterlassen echte Tiefenwirkung – wie das gesamte Album, dem man sich als leidenschaftlicher Musikfreigeist, der in etwa für Alles, was denkbar erscheint, offen ist, einfach nicht entziehen kann.

Wer genau hinhört, wird sogar ganz am Ende von MOZART „Für Elise“ entdecken, das auf grandiose Weise am Piano komplett verjazzt wird und damit die letzte Klangfarbe von „Lizard“ abschließt.
Was für ein Album! Was für ein Mix! Hier wurde und wird noch immer Musik-Geschichte geschrieben! Für alle, denen noch immer hinter der digitalen Verwustung das wahre Erlebnis Musik mit aller Leidenschaft wichtig ist, werden „Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ zu einem guten Freund, auf den man immer wieder zurückgreift!


FAZIT: „Lizard (1970) – The Elemental Mixes“ sind nicht etwa so eine x-te dahingeworfene Neuabmischung eines 55 Jahre alten (von Fripp gar nicht so beliebten) KING CRIMSON-Albums, sondern die endgültige Adelung (nunmehr auch klangtechnisch) dieses wunderbaren Albums, in dem KING CRIMSON Jazz, Klassik, Progressive Rock und Kammermusik miteinander vereinen und noch dazu der großartige Sänger Gordon Haskell sowie als Gast ein Jon Anderson hinterm Mikro Beachtliches leisten. Definitiv für die Ewigkeit gemacht – und mit diesem 'Elemental Mix' auch endgültig für die Ewigkeit konserviert.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 79x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 15 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Seite A (18:31):
  • Cirkus (including: Entry Of The Chameleons) (6:30)
  • Indoor Games (6:01)
  • Happy Family (Instrumental) (3:08)
  • Lady Of The Dancing Water (2:52)
  • Seite B (24:25):
  • = Lizard =
  • I: Prince Rupert Awakes (3:53)
  • II: Bolero – The Peacock's Tale (6:39)
  • III: The Battle Of Glass Tears
  • * Dawn Song (2:32)
  • ** Last Skirmish (6:09)
  • *** Prince Rupert's Lament (2:08)
  • IV: Big Top Pass I (1:32)
  • * Big Top Pass II (1:32)

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