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YES: Symphonic Live (Review)

Artist:

YES

YES: Symphonic Live
Album:

Symphonic Live

Medium: 2CD+BluRay
Stil:

Symphonischer Progressive Rock

Label: Universal Music
Spieldauer: Konzert 168 Minuten + Bonus 26 Minuten + Doppel-CD
Erschienen: 23.01.2026
Website: [Link]

„In Gedenken an Chris Squire (1948-2015) und Alan White (1949-2022)“ (Widmung auf der 2CD+Blu-Ray-Box von „Symphonic Live“)

Alles begann 2001 in Reno!
Alles?!
Zumindest aus Sicht der außergewöhnlichen Vorzeige-Prog-Band YES, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit 33 Jahren existierte und Musik-Geschichte schrieb. Und in der zwei beteiligte Musiker, denen diese Box gewidmet wurde, noch herrlich lebendig waren. Angefangen in der drittgrößten Stadt Nevadas sollte ein neues Live-Kapitel zur YES-Geschichte hinzugefügt werden: die erste Konzerttournee, die YES gemeinsam mit mehreren großen, sehr jung (und stellenweise richtig sexy) zusammengesetzten Symphonie-Orchestern absolvierte.

Zwar wurden diese „Symphonic Live“-Aufnahmen schon vor langer Zeit – also gut 20 Jahren – auf DVD konserviert, doch dass nun diese feine Hardcover-Box mit den Audio-Aufnahmen auf zwei CDs und dem kompletten Konzert vom 22. November 2001 in der Amsterdamer Heineken Music Hall, gefilmt in High Definition (inklusive einer als Bonus beigefügten Dokumentation und dem offiziellen „Don't Go“-Video), auf Blu-Ray plus zweiseitig bedrucktes Poster, 5 Kunst-Postkarten (mit Motiven von ROGER DEAN) und 16-seitigem (Bilder-)Booklet erscheint, ist immerhin mehr als beachtlich.


Was der geneigte YES-Hörer hier zudem zu hören bekommt, schlägt – besonders der nostalgischen, speziell auch für Orchester aufgearbeiteten – Longtracks dem Progressive-Rock-Fass glattweg den Boden aus.

Als da wären „The Gates Of Delirium“ vom „Relayer“-Album (1974), basierend auf dem „Krieg und Frieden“-Roman des russischen Kultautoren Tolstoi. Im Falle des 1974er-YES-Albums nimmt dieses epische Meisterwerk gleich eine komplette LP-Seite ein – genauso wie der Konzert-Opener „Close To The Edge“ vom gleichnamigen 1972er-Album, der YES-Kultsong schlechthin, und das spirituelle „Ritual (Nous Sommes Du Soleil)“ von „Tales Of Topographic Ocean“ (1973).
Wer bitteschön hätte YES zu diesem Zeitpunkt im Vorfeld jemals zugetraut, dass sie in beinahiger Urbesetzung mit beiden Gründungsmitgliedern tatsächlich anno 2001 mit wechselnden Symphonie-Orchestern ihre absoluten Longtrack-Klassiker der YES-Geschichte aufführen?

Kurz vor dieser beeindruckend gefilmten und mit vielen zusätzlichen Animationen versehenen Aufführung, durfte der Verfasser dieser Zeilen am 10. November 2001 im Leipziger Gewandhaus genau dieses Konzert sprachlos bewundern. Und live nahm es einen sofort gefangen – genau das Gleiche gilt auch für diese Blu-Ray-Live-Aufnahme aus Holland, die all die wundervollen Erinnerungen an das Leipziger Konzert wiedererweckt.

Gleich nach der Orchester-Ouvertüre bricht mit dem ersten Longtrack „Going For The One“, dem Kult-Song von YES schlechthin, ein wahres Inferno zwischen Band und Orchester aus. Noch dazu scheinen die klassisch geschulten Streicher, Bläser und Trommler (unter Leitung ihres Dirigenten Wilhelm Keitel), nicht nur was draufzuhaben, sondern verschönern auch jugendlich frisch und oftmals mit sehr hübscher Optik selbst für die älteren Betrachter den gesamten Konzert-Abend, dem sie einen klassischen Anstrich verleihen, der beweist, wie nahe sich die Klassik und der komplexe Progressive Rock stehen – und welche unglaubliche Aura im Rahmen dieser Vereinigung mit YES davon ausgeht.

Eine Band, die schon nach dem ersten Stück 'Standing Ovations' bekommt und diese sich im Grunde mit jedem Song fortsetzen. Und zwar völlig zurecht, denn was hier mit „Close To The Edge“ in gänzlicher Perfektion samt richtig gut abgestimmten Orchester abgeliefert wird und sich 170 Minuten lang fortsetzt, ist der pure Wahnsinn. Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass der junge (nunmehr bei KANSAS aktive) Keyboarder Tom Brislin hier ein paar Beiträge hinlegt, denen wahrscheinlich selbst ein RICK WAKEMAN oder PATRICK MORAZ sprachlos folgen würden.

„The Gates Of Delirium“, YES' Antikriegssong, wird zudem mit Original-Bildern aus dem ersten Weltkrieg und einem Krieg-Animationsfilm unterlegt, was die Musik noch stärker wirken lässt. Gleiches gilt für eine Vielzahl der anderen Stücke, wobei das emotional sehr bewegende „And You And I“ besonders heraussticht.


Mit der letzten Zugabe „Roundabout“ und einem frenetisch auf der Bühne tanzenden Orchester (die bei den beiden Zugaben „Owner Of A Lonely Heart“ und „Roundabout“) nicht mehr aktiv als Musiker beteiligt sind, endet dieses fantastische Konzert, bei dem YES noch einmal – und zwar erstmals in Verbindung mit einem Symphonie-Orchester – ihre ganze legendäre Größe unter Beweis stellen, auch wenn „In The Presence Of“ und „Don't Go“, ein wenig wie der missglückte Versuch, ein zweites ähnlich erfolgreiches Stück wie „Owner Of A Lonely Heart“ samt Orchester rauszuhauen, vermittelt.
Oder wenn es in der Mitte des Konzerts zwar interessant erscheint, STEVE HOWE an der akustischen Gitarre zu lauschen und seine unterschiedlichen Spieltechniken zu bewundern. Allerdings gerät gerade in diesem kraftvollen, orchestralen Konzert dieser Akustik-Teil etwas zu lang und eintönig. Natürlich folgt das Publikum andächtig lauschend und belohnt Howe am Ende seiner beiden Solo-Stücke mit frenetischem Applaus. Doch der steigert sich enorm, als dann Band und Orchester wieder auf die Bühne zurückkehren, um nach diesem entspannten 'akustischen Zwischenspiel' ihren „Starship Trooper“ mit Mr. Howe an der E-Gitarre anzustimmen.


Die der Blu-Ray als Bonus beigefügte Dokumentation, in der vor allem die beiden YES-Urgesteine Jon Anderson und der bereits verstorbene Chris Squire über das Konzert und die Tournee sowie die intensive Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Orchestern Auskunft geben, ist sicher für jeden Liebhaber der Band interessant, ansonsten aber kein Highlight filmischer Doku-Kunst. Noch dazu ist die Doku zwar untertitelt, aber auf eine deutschsprachige Untertitelung wurde, warum auch immer, verzichtet. Das ist dann doch ziemlich schwach und für den yes-fanatischen Deutschsprachler, der des Englischen nicht rundum mächtig ist, eine herbe Enttäuschung. Doch darum geht’s in erster Linie nicht, genauso wenig wie um den zweiten Bonus – das offizielle Video zu „Don't Go“ –, welches zu dem ziemlich belanglosen Song von „Magnification“ ein paar Konzert-Schnipsel zusammenfügt.

Alan White wiederum spricht in der gut 30-minutigen Doku in höchsten Tönen von den 45 klassischen Musikern (was man während des Konzerts auch sehen kann), die sich hinter ihm unmittelbar auf der Bühne befinden und welch außergewöhnliches Gefühl das für ihn war.
Jeder, der noch immer ein tiefes YES-Gefühl in sich trägt, wird garantiert mit dieser Box glücklich werden, gerade weil die alten Haudegen hier noch einmal beweisen, welch unfassbare Faszination von ihnen und ihrer Musik – sogar im klassischen Gewand – ausgeht.


FAZIT: Selbst wenn diese „Symphonic Live“-Aufnahmen von YES schon vor langer Zeit – also gut 20 Jahren – auf DVD konserviert wurden, so macht diese opulente Box davon trotzdem deutlich Sinn! Denn diese feine Hardcover-Box enthält mit den Audio-Aufnahmen auf zwei CDs und dem kompletten Konzert vom 22. November 2001 in der Amsterdamer Heineken Music Hall, gefilmt in High Definition (inklusive einer als Bonus beigefügten Dokumentation und dem offiziellen „Don't Go“-Video), auf Blu-Ray plus zweiseitig bedrucktes Poster, 5 Kunst-Postkarten (mit Motiven von ROGER DEAN) und 16-seitigem (Bilder-)Booklet jede Menge Beigaben, die mehr als beachtlich sind. Dass noch dazu das Konzert, bei dem YES erstmals mit einem jungen Symphonie-Orchester auftreten, die drei Longtrack-Klassiker „Going For The One“, „Gates Of Delirium“ und „Ritual“ enthält, macht es selbst für alle YES-Nostalgiker unverzichtbar!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 83x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 (74:01):
  • Overture
  • Close To The Edge
  • Long Distance Runaround
  • Don't Go
  • In The Presence Of
  • The Gates Of Delirium
  • Steve Howe Guitar Solo
  • CD 2 (78:57):
  • Starship Trooper
  • Magnification
  • And You And I
  • Ritual (Nous Sommes Du Soleil)
  • I've Seen All Good People
  • Owner Of A Lonely Heart
  • Roundabout
  • Blu-Ray (194:00):
  • Gleiche Setlist wie auf CD 1 & CD 2!
  • = Bonus =
  • Dreamtime – Dokumentation
  • Don't Go – Video

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