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Mélanie Pain: How And Why (Review)
| Artist: | Mélanie Pain |
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| Album: | How And Why |
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| Medium: | CD/Download/LP | |
| Stil: | Singer/Songwriter, Folk-Pop, Indie-Pop |
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| Label: | Capitane Records | |
| Spieldauer: | 34:06 | |
| Erschienen: | 28.11.2025 | |
| Website: | [Link] |
In unseren Breiten dürfte die französische Songwriterin MÉLANIE PAIN vor allen Dingen als eine der Stimmen und als Gründungsmitglied des 2004 von MARC COLLIN und dem (inzwischen verstorbenen) OLIVIER LIBAUX initiierten Cover-Projektes NOUVELLE VAGUE bekannt sein – mit dem sie auch bis heute regelmäßig auf Tour unterwegs ist. Obwohl sie sich bis heute dem NOUVELLE VAGUE Kosmos verpflichtet fühlt (denn MARC COLLIN führte das Projekt nach dem Tode von OLIVIER LIBAUX weiter), gibt es für MÉLANIE PAIN auch ein musikalisches Leben abseits von NOUVELLE VAGUE.
MÉLANIE PAIN war in den letzten 20 Jahren an gut einem Viertel der Studioaufnahmen von NOUVELLE VAGUE beteiligt – und entwickelte in dieser Eigenschaft auch ein Konzept für eine Laufbahn als Solo-Künstlerin, das sie ab 2009 mit der Veröffentlichung der bislang drei Longplayer „My Name“ sowie „Bye Bye Manchester“ von 2013 und „Parachute“ von 2016 und diversen Solo-Touren umsetzte. Nach einer längeren Auszeit – die wohl vom Tode LIBAUX' und der Pandemie-Phase wesentlich mit bestimmt war – liegt nun das vierte Album „How And Why“ vor.
Für MÉLANIE PAIN ist dieses Album eine Art Neustart. Denn während sie zuvor immer von den Ansprüchen der Label und Produzenten geleitet wurde und dementsprechend künstlerische Kompromisse eingehen musste, entschloss sie sich, das neue Material zunächst mit ihren Musikern gemeinsam auszuarbeiten (insbesondere mit dem Gitarristen JEROME PLASSERAUD), dieses dann live im Studio einzuspielen und vor allen Dingen selbst zu produzieren. Erst dann machte sie sich – mit dem fertigen Produkt - auf die Suche nach einem neuen Label, welches ihre künstlerische Vision akzeptierte und unterstützte. Nicht umsonst bezeichnet die Musikerin „How And Why“ deswegen als ihr erstes „echtes“ Solo-Album.
Der Titel des Albums (und des gleichnamigen Tracks) „How And Why“ steht dabei für eine Standortbestimmung, bei der es nicht darum geht, Antworten auf die erwähnten existenzialistischen Fragen des „Wie“ und „Warum“ zu finden, sondern durch das Stellen solcher Fragen (mit denen sich eigentlich jeder einmal beschäftigt), Zusammenhänge – und im Idealfall sich selbst - besser zu verstehen. Das wird dann in Stücken wie „Bluer Than Blue“, „Colours In The Dark“ oder „Dreamloop“ noch insofern vertieft, als dass MÉLANIE PAIN hier Erinnerungen und Emotionen in ihre Überlegungen mit einbezieht, was letztlich auch den melancholischen Charakter des Materials bedingt. Die Erinnerung an nostalgische Emotionen werden so zum Thema des Songs „Bluer Than Blue“.
Offiziell wird das „How And Why“ als Folk-Pop-Album beworben, was man ein wenig differenzierter sehen sollte. Denn MÉLANIE PAIN sieht sich eher als Pop-Künstlerin und hat mit den erzählerischen Traditionen des Folk nicht viel am Hut. Allerdings kamen auf dem Album bei der Produktion überwiegend akustische bzw. organische Instrumente zum Einsatz, obwol Pain ursprünglich aus der E-Pop-Ecke kommt und auf ihren früheren Alben auch immer wieder elektronische Elemente zu finden waren.
Stilistisch hingegen geht es deutlicher in Richtung New Wave, Kook- und Dream-Pop. Reine Akustik-Songs gibt es ebenfalls nicht. Alle Tracks sind mit Keyboard-, Bläser-, Streicher-Elementen, verschiedenen Gitarren-Sounds und Bass-Arrangements unterlegt, wohingegen die akustische Gitarre das Leitinstrument darstellt. Einem stilistischen Thema – wie man das von NOUVELLE VAGUE-Scheiben kennt - fühlte sich MÉLANIE PAIN nicht verpflichtet. Stattdessen setzt sie auf die unbegrenzten Möglichkeiten des Pop-Mediums und suchte – mit Hilfe von JEROME PLASSERAUD - für jeden Track ein eigenes musikalisches Mäntelchen.
Eine Sonderstellung nimmt dabei der Track „Senden Daha Günzel“ ein, den die Sängerin auf türkisch vorträgt. Einer der Kompromisse der Vergangenheit war nämlich der, dass MÉLANIE PAIN immer wieder dem Drängen nachgeben musste, den einen oder anderen Song auf Französisch vorzutragen. Um auch diesbezüglich ihre neu gewonnene Unabhängigkeit zu demonstrieren, entschied sie sich stattdessen dazu, dieses Mal einen Song auf türkisch einzuspielen – in einer Sprache also, deren Klang sie zwar sehr schätzt, die sie aber gerade erst erlernt.
„Senden Daha Günzel“ (was soviel heißt wie „Genau so schön wie Du“) ist dabei ein Song der türkischen Grunge-Rock-Truppe DUMAN, den MÉLANIE PAIN nach eigener Aussage behandelte, wie eine Coverversion von NOUVELLE VAGUE und demzufolge den Song aus seinem Rock-Setting in eine Art sanft pulsierende, hypnotische, psychedelische Wüstenpop-Umgebung mit mäandernder Steel-Gitarre und Harmonie-Chören transferierte. Die inoffizielle französische Version des Tracks entstand dann übrigens auf Wunsch der Band DUMAN, die ihren Song dann gerne auch ein Mal auf Französisch hören wollte.
Ein weiterer Track, der aus dem Rahmen fällt ist, die Noir-Ballade „Cold Hands“, die MÉLANIE PAIN als Duett mit BRIAN LOPEZ konzipierte, den sie bei einem Gast-Auftritt mit NOUVELLE VAGUE kennengelernt hatte. Auf die Tradition, auf jeder ihrer Alben ein Duett mit einem männlichen Partner mit dunkler Stimme einzuspielen, wollte sie erneut nicht verzichten. Der Grund für diese Tradition liegt darin, dass sich bei solchen Gelegenheiten über den klanglichen Kontrast zu ihrer eigenen, mädchenhaften Gesangsstimme die vielschichtigen Beziehungsgeflechte, die sie in solchen Songs zum Thema macht, am Besten herausarbeiten lassen.
FAZIT: Mit dem Album „How And Why“ wagte MÉLANIE PAIN insofern einen Reset, als dass sie das Album in Eigenregie produzierte und vorfinanzierte, um sich die volle künstlerische Kontrolle über das Projekt zu bewahren. Das bedeutet, dass es auf dem Album keinerlei kreative Kompromisse mehr gibt, was insofern einen ungefilterten Blick auf die vielfältigen und variantenreichen musikalischen Visionen und Intentionen der Künstlerin erlaubt.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Bluer Than Blue
- Magnolia
- Dreamloop
- How And Why
- Colours In The Dark
- Senden Daha Günzel
- The Bare Truth Of Me
- Cold Hands (feat. Brian Lopez)
- We Were Kids
- Same
- Bass - Thibaud Barbillion
- Gesang - Mélanie Pain
- Gitarre - Jerome Plasseraud, Oliver Smith
- Keys - Alexis Anérilles
- Schlagzeug - Raphael Chassin
- Sonstige - Alexis Anérilles (Flügelhorn)
- How And Why (2025) - 12/15 Punkten
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