Partner
Services
Statistiken
Wir
Reinhard Lakomy: DT64 Reinhard Lakomy Elektronik – Palastkonzert (Review)
| Artist: | Reinhard Lakomy |
|
| Album: | DT64 Reinhard Lakomy Elektronik – Palastkonzert |
|
| Medium: | CD/LP | |
| Stil: | Musik mit elektronischen Mitteln |
|
| Label: | Lacky Musik | |
| Spieldauer: | LP – 47:42 / CD – 56:33 | |
| Erschienen: | 10.04.2026 | |
| Website: | [Link] |
„Edgar Froese, der Chef von TANGERINE DREAM? Der große Froese wollte mich kennenlernen! Wie ein frisch geficktes Eichhörnchen lief ich herum. Ich war so stolz, ich glaube, ich erzählte es sogar der Bäckersfrau und dem Briefträger. […] Die Bekanntschaft mit Edgar Froese hat meine Begeisterung für 'electronics' in die höchste Potenz gehoben.“ (REINHARD LAKOMY in seiner Autobiographie „Es war doch nicht das letzte Mal“)
REINHARD LAKOMY ist das kunterbunte Musik-Genie aus der DDR, dessen musikalisches Leben mindestens genauso bunt wie die Bilder von Vincent van Gogh oder Gustav Klimt ist!
Er begann als großer Jazz-Pianist bei Klaus Lenz und Günter Fischer, schuf dann solistisch die schönsten DDR-Rock/Pop-Lieder, die man sich vorstellen kann, um danach seine Leidenschaft für die elektronische Musik zu entdecken und auszuleben – nachdem er sage und schreibe von dem großen Maestro Edgar Froese (dem Kopf von TANGERINE DREAM) dessen Synthesizer in einer 'Nacht-und-Nebel-Aktion' erworben hatte.
Doch das war bei Weitem noch nicht alles!
Gemeinsam mit seiner Frau Monika Erhardt pflanzte er für die Kinder den „Traumzauberbaum“, den er sein Leben lang – das leider viel zu früh im Jahr 2013 endete – wässerte und musikalisch wie textlich gedeihen ließ, um dann als Autor mit „Es war doch nicht das letzte Mal“ eine wunderbare, richtig gut und spannend geschriebene Autobiographie zu veröffentlichen (in der er beispielsweise sogar mit dem aus seiner Sicht extrem selbstverliebten Manfred Krug abrechnet und natürlich ausführlich über seine Erlebnisse mit Edgar Froese berichtet).
Und damit wären wir schon bei einem musikalischen Goldstück aus der DDR-Geschichte elektronischer Musik, die maßgeblich von REINHARD LAKOMY als deren Vorreiter geprägt wurde! Sein „DT64 REINHARD LAKOMY Elektronik – Palastkonzert“ vom 26. Mai 1983 im 'Großen Saal' des längst abgerissenen 'Palast der Republik', ist aus heutiger Sicht mit seinen 43 Jahren auf dem Musik-Buckel längst historisch – und endlich ist es auch komplett auf CD und etwas gekürzt auf LP nachzuhören.
Die Aufnahme erscheint zudem vor dem Hintergrund von Lakomys 80. Geburtstag und wurde sehr liebevoll und akribisch von seiner Frau Monika Erhardt kuratiert und bestens klingend sowie an seiner ersten Elektronik-LP auf AMIGA anknüpfend, welch den Titel „Das geheime Leben“ trug, aufgearbeitet.
Auf dem ersten rein solistisch eingespielten Stück „Am Anfang“ kommt dem DDR-Oberelektroniker besonders sein hervorragendes Können als Pianist entgegen, das gerade auf seinen elektronischen Meisterwerken unfassbar beeindruckt und sich so locker zwischen den westdeutschen 70er/80er-Jahre-Electronic-Größen der Marke TANGERINE DREAM bzw. dem solistischen EDGAR FROESE oder KLAUS SCHULZE und ASHRA (also der so genannten 'Berliner Schule') ohne jegliche Abstriche einordnen lässt. Also: Nicht nur dass Lakomy hier auf dem FROESE-Synthie, einem Prophet 5, spielt. Beim ersten Stück – einem Siebenundzwanzigminuter – glaubt man durchaus, den Geist eines EDGAR FROESE aus dieser Lakomy-Komposition der ersten elektronischen Güteklasse herauszuhören.
Für REINHARD LAKOMY, dem die 'Berliner Schule' völlig unwichtig war und der nie von elektronischer Musik, sondern von „Musik mit elektronischen Mitteln“ sprach, galt im Umgang mit elektronisch erzeugter Musik immer sein eigener, einzigartiger Grundsatz (den man in dem sehr informativen deutschsprachigen achtseitigen Booklet zum Album nachlesen kann): „Ich sage bewusst musikalisches Hilfsmittel, denn für mich liegt der Schwerpunkt nicht auf der Elektronik, sondern immer auf der Musik.“
Das hört man noch etwas intensiver auf dem zweiten und zugleich letzten Stück „Solitär“, das seine 24 Minuten mit der zusätzlichen Unterstützung von ANDREAS BICKING entfaltet, bei dem sogar ein grandioses Saxophon mit in die Electronics integriert wird. Dieses Saxophon klingt absolut stark und harmoniert herrlich mit den Synthie-Flächen, über die es sich deutlich erhebt und damit gar eine gewisse (Bar-)Jazz-Atmosphäre verbreitet. Hier kommt eben auch der Jazzer Lakomy durch! Diese Jazz-Elektronik-Fusion ist eine absolute Seltenheit in der Szene der elektronischen Musik (plus völlig berechtigtem, begeisterten Zwischen-Applaus) und wird es wohl für immer auch bleiben.
Auf der Rückseite des Digipaks findet man hierzu noch ein paar Hinweise von Markus Schickel, in denen er feststellt, dass die elektronischen Klanglandschaften durch Bickings Saxophonspiel deutlich erweitert werden und daher der zweite Konzertteil zu einem facettenreichen, lebendigen Klangerlebnis wird.
Dem gibt’s wirklich nichts mehr hinzuzufügen.
FAZIT: Was für ein musikalisches Goldstück aus der DDR-Geschichte elektronischer Musik, die maßgeblich von REINHARD LAKOMY geprägt wurde! Sein „DT64 REINHARD LAKOMY Elektronik – Palastkonzert“ vom 26. Mai 1983 im 'Großen Saal' des längst abgerissenen 'Palast der Republik', einem der ersten und schönsten Bauwerke sowie Kulturstätten der DDR, bestätigt erneut die Meisterschaft des so vielfältigen Musikers REINHARD LAKOMY als einzigartigen 'Elektroniker', der locker mit EDGAR FROESE (dessen Freund Lakomy war) und TANGERINE DREAM mithalten konnte und zudem sogar unter Einbeziehung eines Saxophons, gespielt von ANDREAS BICKING, eine völlig neue Klangfarbe in seine „Musik mit elektronischen Mitteln“ (Originalzitat Lakomy: „Der Computer ist nur das ausführende Organ. Er kann allein gar nichts!“) entfaltet. Das sehr informative achtseitige Booklet mit umfangreichen deutschsprachigen Informationen rund um die Entstehung und die Biographie des Musikers setzt dieser fantastischen, von seiner Ehefrau initiierten, Veröffentlichung aus Anlass des 80. Geburtstags des bereits 2013 verstorbenen Musikers neben dem musikalischen noch ein optisches Sahnehäubchen auf.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- = CD-Version = (56:33)
- Am Anfang (27:23)
- Solitaire (29:09)
- = LP-Version = (47:42)
- Seite A (23:37):
- Am Anfang
- Seite B (24:05):
- Solitaire
- Keys - Reinhard Lakomy, Andreas Bicking
- DT64 Reinhard Lakomy Elektronik – Palastkonzert (2026) - 15/15 Punkten
-
keine Interviews
Kontakt
