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Kuhn Fu: GamGumSupon (Review)

Artist:

Kuhn Fu

Kuhn Fu: GamGumSupon
Album:

GamGumSupon

Medium: CD/Download/Do-LP
Stil:

Jazz Rock, Fusion, Punk-Jazz-Psychedelia

Label: Berthold Records
Spieldauer: 65:03
Erschienen: 16.10.2026
Website: [Link]

Die leidenschaftlichen Musik-Kämpfer der ganz besonderen Art mit der japanischen Technik und dem progressiven Jazz Rock unter Führung des Mannes mit dem unFUturistischen Namen Christian KUHN sind wieder unterwegs und hauen uns dieses Mal ein „GamGumSupon“ um die Ohren!
Natürlich bringen sie hierbei erneut den Beweis dafür, dass sie ihr 'eigenes Genre', das sie schubladenmäßig selber als 'Punk-Jazz-Psychedelia' charakterisieren, auf ganzer Größe und Verspieltheit bestätigen und nicht etwa mit stinkigen Socken und braunstreifigen Schlüppern, sondern mit mega-heißen Soul-Jazz-Rock-Dessous füllen.

Ähnlich verrückt wie der mal wieder undefinierbare (angeblich gibt’s eine erfundene kunterbunte Insel mit ähnlichem Namen), aber eben experimentell spannend zusammengesetzte Titel der Doppel-LP, auf dessen Cover wir selbstverständlich auch den behaarten Fisch mit Beinen sowie das weiße Einhorn entdecken, fällt auch die Musik dahinter aus, die endlich wieder stark auf die Instrumente statt auf mitunter etwas befremdliche Gesänge setzt. Dafür aber zieht von Anfang an mehr Härte in die knackig-freigeistigen Rhythmen ein, die das ideenreiche Potenzial eine ZAPPA in sich tragen, sodass nicht nur Gitarre und Schlagzeug, sondern auch die breit aufgestellte Bläser-Fraktion ordentlich Druck machen dürfen.


Aber es kann auch finster und etwas bedrohlich sowie herrlich basslastig werden, wenn die LP-B-Seite mit „Trippy Madieval“ (Was auch immer dieser Titel bedeuten soll?! Gut, die KI gibt dazu Auskunft, dass es sich um einen modernen Kunsttrend handelt, der mittelalterliche Motive mit psychedelischen, surrealen, halluzinogenen Elementen vermischt!) eröffnet wird, sogar die Gitarre ein wenig zwischen floydianischen SANTANA (oder doch satanischen FLOYDIANA) Anspielungen wechselt, um dann in einer Melodie, die einerseits ein wenig zum Schunkeln und andererseits dann doch zum schrillen Verzweifeln einlädt, aufzugehen. Genau das sind die knackpunktigen Momente, in denen KUHN FU einen immer wieder mitzureißen verstehen. Hier trifft durchgängig Rock auf Jazz, Prog auf souligen Freigeist und Avantgarde auf Harmonie.
Oder wie es KUHN FU selber unter ihrer Homepage konkretisieren: „Jazz, Metal, Punk, Big Band und Rock verschmelzen zu einem höchst eigenwilligen Sound, der sich durch kompositorische Dichte, immense Energie und eine unbändige Spielfreude auszeichnet.“
Gut! Passender kann man die Musik hinter „GamGumSupon“ gar nicht ausdrücken.
Und dass der Album-Opener schon von seinem ironischen Titel „Metal Jackson“ her einen MICHAEL JACKSON mit dem Metal vereint, sagt mehr als tausend Worte oder Töne. Bei KUHN FU trifft eben der 'behutete' Moonwalk auf spastisch zuckende Headbanger mit dem vom sabbathistischen DIO zur obersten Geste erhobenen Teufelshörner-Gruß.


Die LP-C-Seite wiederum beginnt mit dem extremen Klang-Chaos eines wilden Bläser-Durcheinanders, das schon nach wenigen Sekunden mit akustischer Gitarre uns harmonischen Melodien gebändigt wird, als wollte es die Himmelspforten aufstoßen, um mit „graced with Gut's Bounty“ die heiligen Instanzen zu besuchen. Dann aber treibt einen der Schlagzeuger voran, macht Tempo, drückt auf die Tube, lässt die Gitarren krachig übernehmen und scheint in Richtung Hölle einen Umweg zu nehmen. KUHN FU beherrschen dieses Himmel-Hölle-Spiel, bei dem man nie weiß, womit sie einsteigen, aber immer mitbekommt, auf welcher Ebene man sich gerade befindet. Genau diese Ebenen wechseln fließend, selbst innerhalb der einzelnen Stücke.


Doch es spricht noch vieles mehr für KUHN FU als 'nur' ihre Musik – nämlich auch die Anerkennung dieser ungewöhnlichen Klangwelten, die man erst einmal betreten, dann verwundert mit den Ohren betrachten und wenn man mutig genug ist, nicht wieder verlassen sollte – wobei allerdings alle auf mainstreamigen Radioklang stehenden Zeitgenossen, wohl schon nach wenigen Minuten entweder ihre Hörgewohnheiten über Bord werfen oder nach dem Notausgang suchen sollten, um diesen Punk-Jazz-Psychedelia-Kosmos fluchtartig zu durchqueren, die Tür zuzuwerfen und 'atemlos' an ihren Radioreglern zu drehen, obwohl alle Silbereisen im KUHN FU-Angesicht zu rostigen Brechstangen werden.
Damit muss KUHN FU nun mal leben, denn (hier ein wenig Geschichte) KUHN FU wurde 2012 im niederländischen Groningen gegründet, hat sieben Studio- und zwei Live-Alben veröffentlicht, wurde für den Deutschen Jazzpreis 2023 in der Kategorie 'Komposition des Jahres' nominiert und ist ausgiebig durch ganz Europa getourt, wobei sie mehr als 400 Konzerte in 23 Ländern spielten. Hierbei heimsten sie dann solche Kritiken wie in der 'Süddeutschen Zeitung' ein, in der es heißt: „KUHN FU macht seinem martialischen Namen alle Ehre. Das multikulturelle Jazzensemble bringt enorme Energie auf die Bühne und ist zugleich ein Beweis für das wunderbare Zusammengehörigkeitsgefühl in der Musik.“

Im Radio sind KUHN FU wohl noch nicht vorgekommen...
Auf der Bühne und auch auf Platte jedenfalls dürfen sie regelrecht explodieren, sodass allein ein Stück wie „Sergeant H.“ nach der 'ohral fleischgewordenen' Kriegserklärung an den Mainstream klingt und aus allen Holzbläser-Kanonen ein wildes Feuer entfacht wird, bis auch der letzte gerade Ton zu Boden sinkt!


Das reicht allerdings KUHN FU längst nicht, denn sie haben noch den letzten Jazz-Rock-Joker im Ärmel, der mit „goodbye AND see you SOON“ erneut am Doppel-LP-Ende weit ausholt, sich selber ein wenig auf die Schippe nimmt und wie's das Oktett abschließend voller Harmonie selber feststellt, den idealen Abschied zärtlich entfaltet, um einen dann doch noch zusammenzufalten: „'Goodbye and See You Soon' thematisiert die Ambivalenz des Abschieds und des Lebens: die Traurigkeit und Endgültigkeit des 'Goodbye' im Kontrast zur Hoffnung und Offenheit des 'See you soon'. Eine melancholische, filmische Ballade entfaltet sich durch intime Gitarrenlinien, ausdrucksstarke Saxophone und eine unruhige rhythmische Unterströmung. Gerade als sich die Stimmung eingependelt zu haben scheint, mündet der Titel in ein überraschend helles und verspieltes Ende – eine freudige Wendung, die diesen emotionalen Widerspruch widerspiegelt. Zart, bittersüß und eigenartig offenbart er eine sanftere Seite von KUHN FU.“


Schöner kann man sich aus der Doppel-LP „GamGumSupon“ und dieser Kritik wirklich nicht verabschieden.

FAZIT: Endlich hauen uns KUHN FU mit den besten musikalischen Kampftechniken wieder ein Doppel-Album um die Ohren, das mit allen improvisatorischen Wassern gewaschen sowie den wildesten Kompositionen abgetrocknet und poliert ist. Da kann der längst zum Markenzeichen gewordene haarige Fisch auf Beinen so viel zwischen sandiger Ebbe oder hochwässriger Flut hin- und herwandeln. „GamGumSupon“ ist genauso irre wie der Album-Name und fusioniert perfekt gespielten und mit jeder Menge Bläser versehenen Jazz Rock mit der von KUHN FU schubladenmäßig selber ausgerufenen Punk-Jazz-Psychedelia. Bandchef, Komponist und Gitarrist Christian KUHN(FU) im souligen Jazz-Rock-Höhenrausch, der seine Mitmusiker leidenschaftlich mitreißt und von denen nie fallen gelassen, sondern auf ihren Instrumenten in luftige Höhen entführt wird.


Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 35x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (17:40):
  • Metal Jackson (7:34)
  • ARCHITECTURE (5:00)
  • Party (5:06)
  • Seite B (14:04):
  • Trippy Madieval (5:39)
  • Stiff TWIST (4:28)
  • SLAgroom (3:57)
  • Seite C (20:00):
  • graced with Gut's Bounty (9:16)
  • Hairy FISH with Legs that Tries to climb A Tree (5:15)
  • Sergeant H. (5:29)
  • Seite D (13:19):
  • SERENITY (3:13)
  • GamGumSupon (4:38)
  • goodbye AND see you SOON (5:28)

Besetzung:

  • Bass - Esat Ekincioglu
  • Gitarre - Christian Kuhn
  • Schlagzeug - George Hadow
  • Sonstige - Frank Gratkowski (Altsaxophon, Flöte, Klarinette), John Dikeman (Tenorsaxophon), Mateusz Rybicki (Tenorsaxophon, Klarinette), Ziv Taubenfeld (Bassklarinette), Sofia Salvo (Baritonsaxophon)

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